Tattoos

Es ist nicht zu übersehen, dass wir auf Tattoos stehen. Daher möchte ich euch ein wenig darüber erzählen: Welcher Stil ist es? Haben sie eine Bedeutung? Wer ist der Artist? Kommen da noch mehr Tattoos?

Wie alles begann

Alles fing mit 18 Jahren an (wie bei so vielen, grad mal volljährig und schon hat man den Drang sich unter die Nadel zu legen). Ich suchte mir ein Tattoostudio auf dem Hamburger Kiez, da gibt es ja genug Auswahl. Da es früher noch keine Google-Rezensionen oder ähnliches gab, liess ich mir über Mundpropaganda "Endless Pain" empfehlen und liess mir den Schriftzug "Pride" auf den Oberarm stechen. Damals noch in keltischer Schrift (was mit meinem jetzigen Stil eigentlich sehr gut harmoniert) und hatte damals noch keine Ahnung, dass ich einmal dermaßen großflächig tätowiert sein würde. Dabei ist es wichtig, frühzeitig zu wissen, was man will, es sei denn man möchte seinen Körper mit vielen verschiedenen Stilen verzieren. Ich persönlich mag es, wenn sich auf einem Körper auch nur ein Stil befindet und nicht ein bunter Mischmach, der vielleicht gar nicht miteinander harmonisiert. Und bloß kein Motiv "aus dem Katalog ausgesucht", sondern etwas, mit dem man persönlich auch etwas verbindet und sein Leben lang leiden mag. "Pride" (Stolz) steht für mich für alles positive in meinem Leben. Alles, was ich erreicht habe, alles wofür ich kämpfen musste, aber auch meine Identität als schwuler Mann. Dieses Tattoo habe ich auch nie bereut.

 

Wenig später folgte dann im selben Studio in der selben Schrift das Wort "Pain" (Schmerz) auf den gegenüber liegenden Seite am anderen Arm und steht als Gegensatz zu dem positivem Wort "Pride" für alles negative im Leben, das aber nun mal dazu gehört und sich nicht ignorieren lässt. Sei es Herzschmerz oder Niederlagen, man muss eben manchmal kämpfen im Leben und sei es manchmal mit seinen eigenen Dämonen. Angesichts meiner heutigen Tattoos fügt sich das Wort "Schmerz" natürlich besser denn je in mein Gesamtkunstwerk ein.

 

Danach folgte zwischen den Schulterblättern ein Tattoo, das auf den ersten Blick wie ein willkürliches geschlungenes nichts aussagendes Symbol wirkt. Legt man es aber auf die Seite, liest man das Wort "Life" (Leben), legt man es auf die andere Seite, liest man im selben Symbol "Death" (Tod). Darunter steht (wieder in keltischer Schrift, soll ja alles zusammen passen) mein Geburtsjahr: 1983. Es ist zwar unwahrscheinlich, dass man nach meinem Tod dort noch mein Sterbejahr eintätowiert, aber vom Konzept dieses Motivs her wäre es durchaus möglich. Dieses Tattoo zeigt wieder zwei direkte Gegensätze, die aber auch untrennbar zusammengehören und bedeuten für mich, dass der Tod zum Leben dazu gehört. Da ich in der Medizin arbeite, habe ich mich viel mit diesem Thema auseinandergesetzt.

 

Nun war das Eis zwischen mir und dem Thema Tattoos unwiderruflich gebrochen und es reifte der Wunsch in mir, großflächigere Tattoos zu erhalten. Ja, Tattoos machen süchtig, da ist was dran. Aber es ist eine Sucht, die man durchaus zügeln kann, immerhin kosten Tattoos eine Menge Geld.

 

Ich befasste mich nun also mit dem Thema und entdeckte die Maori-Kultur. Die Muster faszinierten mich und da ich mich schon immer für Naturvölker interessierte, belas ich mich und lernte die Erfinder der "Tataus" (daher stammt das Wort "Tattoo") näher kennen.

Der Stil

Den meisten ist der Stil als "Maori" bekannt, benannt nach den Ureinwohnern Neuseelands, dabei ist das so nicht ganz korrekt. Der Stil nennt sich polynesisch, da die Maori ihren Ursprung in Polynesien haben. Von dort aus haben die Menschen weitere Regionen wie Hawaii oder eben Neuseeland bevölkert und ihre Tattoo-Tradition mitgebracht, wobei sich die Symbole immer etwas verändert haben, sodass man heute polynesische Symbole unterteilt in Hawaiian, Tahitian, Samoan, Marquesan oder eben Maori.

 

In modernen polynesischen Tattoos werden diese Stile aber gemischt, sozusagen ein "Best of". Wichtig ist dennoch, dass alle Symbole eine Bedeutung haben, auch wenn es nur wie ein Muster aussieht. Aber das ist eben das faszinierende an diesem Tattoo-Stil: Du hast ein schönes Muster, das aber eben auch eine Geschichte erzählt - am besten deine Geschichte!

 

Es gibt Symbole, die müssen an einer bestimmten Körperstelle sein, damit es authentisch ist, andere Symbole darfst du dir als Mann gar nicht stechen lassen. Solche Regeln kann man natürlich ausser Acht lassen, aber wenn man sich schon für diese traditionsbeladene Kultur entscheidet, sollte man es auch authentisch machen, finde ich. Nichts ist schlimmer als ein aus dem Internet ausgesuchtes Tattoo nach dem Motto "Ich will aussehen wie Dwayne Johnson" und am Ende hat es gar keine Bedeutung für dich persönlich oder beleidigt womöglich noch jemanden, der diese Kultur lebt oder noch schlimmer: Es ist einfach falsch und jeder, der sich ein Bisschen damit auskennt, sieht sofort, dass es Müll ist. Ich wurde bereits mehrfach im Urlaub auf meine Tattoos angesprochen und oft waren Leute dabei, die sich damit auskennen. Man kam ins Gespräch und stellte fest, dass man sozusagen "Stammesbrüder" war, weil man den selben Stil hatte. Bei der Arbeit im Krankenhaus traf ich mal eine Patientin, die selber auf Tahiti gelebt hatte und meine Geschichte auf der Haut lesen konnte.

 

Natürlich muss man bei einem Tattoo dieser Größe etwas mehr Geld in die Hand nehmen. Da muss man sich eben entscheiden, ob einem ein Auto oder ein Tattoo wichtiger ist. Ich verrate nicht was, aber eins von beidem hält ein Leben lang ;-)

Der Artist

Ich nenne meinen Tätowierer absichtlich "Artist", weil es eben eine Kunst ist. Tätowierer gibt es viele, aber nicht jeder ist auch ein Künstler.

Und nicht jeder hat das Fachwissen ein polynesisches Tattoo authentisch zu gestalten. Daher hat meine Suche nach jemandem, der das "ordentlich" macht und mir nicht irgendwelche Symbole bedeutungslos in die Haut hackt, etwas gedauert. Doch dann hatte ich Erfolg.

 

Mein Artist heisst Ash und hat sein Studio "PolyAsh Tattoo" in Hamburg.

Er ist mit der Maori-Kultur groß geworden, da er gebürtiger Australier ist und die Nähe zu Neuseeland eine Affinität zu diesem Stil in die Wiege gelegt hat. Er hat die Kultur nahezu studiert, hat sich viel belesen und kennt sich wahnsinnig gut in der Marterie aus. Er hat sich komplett auf polynesische Tattoos spezialisiert und sticht nur, was er auch vertreten kann. Er berät dich ausführlich, damit dein Tattoo authentisch wird. Wie es bei polynesischen Tattoos üblich ist, macht er vieles freihand.

 

Er unterhielt sich ausführlich mit mir beim Erstgespräch und anhand dieses Gesprächs bekam er einen Eindruck, was für ein Typ ich bin. Was für Ereignisse hatte ich im Leben, welche Symbole passen zu mir. Und dann ging es mit einer Brust mit Schulter und Oberarm los. Dies war ein Prozess über viele Wochen, da ich beruflich sehr eingespannt war und sich eine Heilungszeit zwischen den Terminen empfiehlt.

 

Er gilt über die Grenzen Hamburgs hinaus als Experte auf diesem Gebiet, die Fachpresse berichtet häufiger über ihn, wobei auch Fotos von meinem Tattoo gezeigt wurden, was mir eine Ehre ist.

 

Wer ein polynesisches Tattoo haben möchte, ist bei Ash in besten Händen. Ich lag bereits rund 65 Stunden unter seiner Nadel und vertraue ihm blind.

Weitere Infos über Ash findest du auf seiner Website www.polyashtattoo.de

Kommen noch mehr Tattoos?

Wie ich eingangs schon erwähnte, Tattoos machen auf eine gewisse Art süchtig. Ja, es geht noch weiter. Als nächstes werden die bereits vorhandenen Tattoos aufm Rücken (die Ausläufer meiner Tattoos auf den Schultern) erweitert. Daher befinden sich aktuell auf den Schultern freie Flächen, an denen das Rückenmotiv dann an meinem Brust- bzw. Halsmotiv ansetzt.

 

Desweiteren werden eines Tages die Tattoos an den Armen auf die Unterarme erweitert und ich werde Projekte an den Beinen angehen. Selbstverständlich alles im jetzigen Stil, da ich (wie erwähnt) keinen Mischmasch mag und mich in meinem jetzigen Stil absolut wiederfinde.

 

Vielleicht werde ich eines Tages auch das Tattoo am Hals erweitern. Da die Stelle aber ein sensibles Thema ist (nicht nur wegen der Schmerzen) und immer wieder kontrovers diskutiert wird (man nennt den Hals auch "No-Job-Area", was ich wohl nicht noch näher erklären muss), wird das in nächster Zukunft aber nicht passieren. Die Gesellschaft wird zwar immer toleranter was Tattoos angeht, aber nicht jedem Arbeitgeber gefallen sie. Dies bedarf also noch etwas mehr Zeit, zumal meine Mutter vermutlich durchdrehen würde.

 

Ich selbst finde Tattoos am Hals häufig nicht schön, wobei das aber immer von der jeweiligen Person (wie kleidet sie sich, wie gepflegt ist sie, wie drückt sie sich aus) und dem Motiv abhängt, aber bei vielen sieht es einfach "assig" oder nach Gangmitglied aus. Ich möchte mit dieser Aussage niemanden beleidigen, ich kenne auch viele, bei denen ich Halstattoos echt schön finde.

Ähnlich sieht es mit Tattoos an den Fingern aus, aber auch hier könnte man ewig diskutieren. Wie ist deine Meinung dazu? Kommentiere doch gern einfach mal meine Fotos auf Instagram, ich bin gespannt, wie deine Meinung ist!